Der epox3 ist mein Prüfungsstück zur Designerprüfung 2025. Mein Ziel war ein Epoxidharztisch, der sich in Serie fertigen lässt und trotzdem ein Unikat bleibt: Die Grundstruktur ist bei jedem Tisch gleich, die Maserung des Naturholzes macht jedes Exemplar einzigartig.
Ein heller Tisch
Meine Wohnung ist eher dunkel, und der Tisch steht in einer dunklen Ecke. Das wollte ich nicht noch mit dunklen Möbeln verstärken – ich liebe Helligkeit. So entstand ein heller, dezenter und moderner Tisch: Dreiecke aus einer massiven Eichenbohle, kombiniert mit cremeweißem Epoxidharz. Das Muster zieht sich entlang der Kanten, die Mitte der Platte ist großflächig gegossen. Im Inneren stabilisiert eine Platte aus Birke-Multiplex den Tisch und verhindert, dass er sich durchbiegt.
Bei den Maßen habe ich an Menschen gedacht, die wenig Platz haben: 170 cm Länge bieten genug Raum, um sich auszubreiten, mit 69 cm Breite bleibt der Tisch schlank. Die Platte ist 3 cm stark.
Ein Muster ohne Bruch
Das Besondere am epox3 ist sein durchlaufendes Dreiecksmuster. Linien und Abstände treffen an jeder Kante und Ecke exakt aufeinander. Stellt man zwei Tische nebeneinander, läuft das Muster ohne Unterbrechung weiter.
Die Idee dahinter ist ganz persönlich: Wenn etwas zusammengehört, aber nicht ganz zusammenpasst, beschäftigt mich das und lenkt mich ab. Beim epox3 wollte ich genau das vermeiden – man setzt sich an den Tisch, sieht, dass alles passt, und kann das Thema im Kopf abhaken.
Eine Kombination gibt es übrigens doch, bei der die Linien nicht ganz aufgehen. Das ist mir erst nach dem Entwurf aufgefallen. Tragisch ist es nicht: Es bleiben genügend andere Möglichkeiten, die Tische zu kombinieren.
Das Gestell
Die Form der Beine habe ich aus einer meiner Bleistiftskizzen mit Dreiecken entwickelt. Sie erinnert an ein X und an ein K (für Kusz) und greift die Dreiecksform der Platte auf – für diesen Tisch die stimmigste Lösung.
Die Platte habe ich in meiner Werkstatt Keller87 gefertigt. Die beiden Gestelle hat ein Stahlbaubetrieb nach meiner Skizze hergestellt: mit einer CNC-Plasmaschneidanlage ausgeschnitten, in den passenden Winkel gebogen und mit einer aufgeschweißten Trägerplatte für die Tischplatte versehen. Anschließend wurden sie grundiert und weiß lackiert, passend zum Farbton der Platte.
Ein Tisch, viele Rollen
Der epox3 ist als Multifunktionstisch gedacht: Esstisch für Gäste, Schreibtisch, Arbeitsplatz im Coworking-Space. Dank des durchlaufenden Musters lassen sich mehrere Tische zu einem großen Gruppen- oder Besprechungstisch zusammenstellen, der wie aus einem Guss wirkt.
Warum Epoxidharz statt Glas
Epoxidharz erinnert optisch an Glas, ist aber deutlich robuster. Eine Glasplatte geht schnell zu Bruch, wenn eine Tasse unglücklich auf die Kante trifft. Auf meinem E-T.No:1 habe ich einmal bewusst eine Tasse fallen lassen: Die Tasse war kaputt, der Tisch hatte nicht einmal eine Macke. Bei Glas wären es zwei kaputte Gegenstände gewesen.
Und falls doch etwas passiert, lässt sich Epoxidharz reparieren: Kratzer und kleine Löcher werden mit frischem Harz versiegelt. Danach muss allerdings die ganze Oberfläche neu geschliffen und poliert werden, was Zeit kostet. Nachhaltig ist es trotzdem – der Tisch muss nicht ersetzt werden.
Fehler, aus denen ich gelernt habe
Ganz glatt lief die Herstellung nicht – auch das gehört zum Projekt.
Beim Anmischen habe ich den falschen Rührstab verwendet: einen Spiralrührer statt eines Rührers mit drei Blattschaufeln, ähnlich einer Schiffsschraube. Er zog Luft in die Masse, und das Harz hatte beim Aushärten nicht genug Zeit, sich selbst zu entlüften. Deshalb sind im Tisch heute kleine Bläschen zu sehen.
Dazu kam ein Rechenfehler: Bei der Volumenberechnung habe ich die Dichte der Komponenten A und B nicht berücksichtigt, zu wenig Harz angemischt und musste nachbestellen. Für die zweite Mischung musste ich die Farbpigmente umrechnen, um denselben Farbton zu treffen – ganz gelungen ist das nicht.
Alle Fehler habe ich dokumentiert und direkt mit Lösungen versehen, damit sie mir beim nächsten Mal nicht wieder passieren.
Daraus entstand der Resin³Calculator
Nach der Prüfung kam mir die Idee für ein eigenes Plugin für Rhino 8, das Programm, in dem ich alle Entwürfe und 3D-Modelle erstelle. Der Resin³Calculator berechnet aus dem Volumenkörper, der das Epoxidharz darstellt, direkt die benötigte Menge in Gramm für Komponente A und B. Die Dichte des Harzes lässt sich eintragen, dazu ein prozentualer Sicherheitszuschlag – etwa 10 % auf 30 Liter, damit im Eimer noch etwas übrig bleibt, falls doch etwas schiefgeht.
Das Plugin ist kostenlos, darf auch gewerblich genutzt werden und funktioniert komplett offline. So bin ich für den nächsten Tisch vorbereitet – und vielleicht hilft es auch anderen, die mit Epoxidharz arbeiten.
Fazit
Den epox3 konnte ich genau so umsetzen, wie ich ihn im Kopf hatte – ohne Kompromisse. Ich finde ihn perfekt und bin sehr stolz auf dieses Stück.