Rechtlicher Hinweis: Elektro-Longboards und E-Skateboards sind in Deutschland im öffentlichen Straßenverkehr nicht erlaubt. Sie gelten als zulassungspflichtig, sind aber nicht zulassungsfähig – bei der Regelung für Elektrokleinstfahrzeuge wurden sie ausdrücklich nicht berücksichtigt, zugelassen sind nur Fahrzeuge mit Lenkstange bis 20 km/h. Wer trotzdem auf öffentlichen Wegen fährt, ob auf der Straße oder im Park, fährt ohne Betriebserlaubnis, ohne Versicherungsschutz und ohne Fahrerlaubnis. Im schlimmsten Fall steht damit der Autoführerschein auf dem Spiel, bei Vorsatz kann das Board eingezogen werden. Gefahren werden darf nur auf Privatgelände. Dieses Projekt dokumentiert einen Eigenbau und ist keine Aufforderung, damit am Straßenverkehr teilzunehmen.
Die Idee
Ein Kumpel hatte sich sein eigenes Elektro-Longboard gebaut – ich stand mit meiner CNC-Fräse daneben und hatte den gleichen Wunsch. Eine Grundidee für die Optik hatte ich schon im Kopf. Mein wichtigster Anspruch: Die Akkus sollten nicht in einem Plastikkasten unter dem Brett hängen, sondern unsichtbar im Deck verschwinden.
Das Deck
Damit die Akkus ins Brett passen, habe ich sehr stabiles, 20 mm starkes Multiplex gewählt. Das Deck ist 98,5 cm lang und an der breitesten Stelle 23 cm breit.
Die ersten Skizzen entstanden am Computer. Sobald die Elektronik geliefert war – Akkus, Motorregler und der Empfänger für die Fernbedienung –, konnte ich die Aufteilung planen: Wo brauche ich Taschen für die Akkus, wo sitzt der Rest der Technik? Mit einiger Rechenarbeit haben wir die Kapazitäten bestimmt und festgelegt, wie die Zellen verschaltet und punktgeschweißt werden. Daraus entstand die CNC-Datei, mit der ich das Brett gefräst habe.
Oben und unten ist das Deck mit 1 mm starken Carbonplatten verschlossen und verschraubt. So ist die Elektronik rundum geschützt.
Antrieb
Achsen, Kugellager und Rollen sind gekauft, alles für den Antrieb habe ich selbst konstruiert. Ein Brushless-Motor treibt die vordere rechte Rolle über einen HTD-5M-Zahnriemen an. Den Motorhalter, der direkt an der Achse neben der Rolle sitzt, und das große Zahnrad habe ich gezeichnet und aus Aluminium CNC-gefräst.
Das Aluminium erwies sich allerdings als recht weich. Deshalb habe ich den Motorhalter später aus Carbon neu angefertigt – seitdem sitzt alles deutlich straffer und stabiler.
Steuerung und Bremse
Gesteuert wird das Board mit einer kleinen Fernbedienung. Der Brushless-Motor dient zugleich als Bremse. Zusätzlich lässt sich, wie beim Longboard üblich, mit dem Fuß bremsen: Fuß auf den Boden setzen und mit steigendem Druck abbremsen.
Technische Daten
- Akkus: 42 Lithium-Ionen-Zellen vom Typ 18650, in 6 Packs zu je 7 Zellen
- Verschaltung: 6S7P – je 7 Zellen parallel über Nickelband punktgeschweißt, die 6 Packs in Reihe
- Spannung: 22,2 V nominal, 25,2 V voll geladen
- Antrieb: Brushless-Motor mit HTD-5M-Zahnriemen
- Höchstgeschwindigkeit: ca. 30 km/h
- Reichweite: ca. 60 km
Heute
Dieses Projekt hat mein Interesse an Elektronik und Technik richtig geweckt – davon profitieren meine Projekte bis heute.
Inzwischen ist das Longboard ein Ausstellungsstück in meiner Wohnung. Die Akkus wurden einmal tiefentladen und lassen sich nicht mehr retten, ein Neuaufbau würde rund 300 bis 350 Euro kosten. Da das Fahren auf öffentlichen Straßen ohnehin verboten ist, ist mir das Risiko einer Strafe den Neuaufbau nicht wert.